HERZLICH WILLKOMMEN AN DER SCHOOL OF MUSIC AND ARTS EDUCATION DER UNIVERSITÄT MOZARTEUM SALZBURG



SOMA AN DER UNIVERSITÄT MOZARTEUM SALZBURG

Die Universität MOZARTEUM bildet PädagogInnen auf hohem Niveau aus. Die Lehr- und Forschungstätigkeit in allen Bereichen der Musik- und Kunstpädagogik hat an dieser Universität lange Tradition und internationale Strahlkraft. Zukünftige PädagogInnen studieren an einer weltweit anerkannten Musik- und Kunstuniversität: Hier begegnen sie barrierefrei und selbstverständlich den Künstlern, an deren Kunst sie später andere heranführen werden. Somit begegnen sich der hohe Anspruch künstlerischer Perfektion und der ebenso hohe Anspruch bestmöglicher Heranführung an die Kunst in allen Facetten. So entwickeln z.B. zukünftige Lehrende in gemeinsamen Lehrveranstaltungen mit zukünftigen Komponisten Modelle zur Vermittlung Neuer Musik oder Studierende der Elementaren Musik- und Tanzpädagogik erarbeiten mit der Tubaklasse ein Projekt. Musikwissenschaft und Musikpädagogik führen in kooperativen Lehrveranstaltungen Fachwissenschaft und Pädagogik zusammen.

Ebenso wichtig wie die Einbindung der PädagogInnenbildung in ein authentisches Kunstfeld ist die Anbindung der Lehre an die fachrelevante Forschung – wie z.B. Musikwissenschaft -und vor allem fachpädagogische und fachdidaktische Forschung: Professuren für Musikpädagogik und Kunstpädagogik sind seit Jahrzehnten an der Universität MOZARTEUM etabliert. Forschungsergebnisse aus verschiedenen Projekten und Dissertationen fließen direkt in die Lehre ein.

Die Universität MOZARTEUM sieht in der Ausbildung der Musik- und KunstpädagogInnen einen Kernbereich ihres bildungspolitischen Auftrages. Exzellente Lehrerinnen und Lehrer sind gerade in der Musik- und Kunstvermittlung als MultiplikatorInnen wichtig, um bei jungen Menschen Begeisterung zu wecken und grundlegende Erfahrungen zum Aufbau und zur aktiven Nutzung eines bereichernden Kulturlebens in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Kunst, Forschung und ihre Lehrenden müssen auch zukünftig in einem intensiven Dialog bleiben. Nur PädagogInnen, die fähig sind Kunst und Musik in selbstbestimmter Art und Weise umzusetzen, werden diese auch vermitteln können und wollen. Die entsprechenden Rahmenbedingungen und Ressourcen kann eine Kunstuniversität bieten. 

Diesen Gedanken folgt die Universität MOZARTEUM mit der School of Music and Arts (SOMA): Kunst, Forschung und Lehre treten hier intensiv miteinander in Kontakt und sind in Forscung und Lehre vielfach aufeinander bezogen. Darauf aufbauend kooperiert die Universität MOZARTEUM mit der Partneruniversität PLUS und der Pädagogischen Hochschule.

 

 

 

Gute Musik? Ästhetische Qualitäten von Musik im Unterricht

Symposium vom 23.-25. November 2018

Universität Mozarteum Salzburg, Kleines Studio

Ästhetische Urteile sind in der Musik und der Musikpädagogik ein ständiger Begleiter und werden gleichsam unter vielen Gesichtspunkten immer wieder in Frage gestellt? Was ist gute Musik? Auf welcher Grundlage kann sich ein ästhetisches Urteil heute bilden? Lassen sich ästhetische Qualitäten unabhängig vom Lebensumfeld, von der Kultur der Musikhörer/Musiknutzer benennen? Wer urteilt und für wen? Welche Kriterien lassen sich objektiv aber auch rein subjektiv benennen?

Es gibt gute Argumente für Musikpädagogen, in der Rede über ästhetische Qualitäten Zurückhaltung zu üben. Aber ohne ein Nachdenken über ästhetische Qualitäten von Musik kommt Musikpädagogik nicht aus. Wir müssen Rede und Antwort stehen, warum wir uns für eine bestimmte Musik in einem Unterrichts- oder auch Konzertkontext entscheiden. Grund genug, den (unsicheren und schwankenden) Boden zu betrachten, auf dem sich die Musikpädagogik nolens volens bewegt.

Leo Kestenberg (1882-1962) wollte das Musikleben seiner Zeit aus seiner "Zerklüftung" herausführen und Ideen für eine übergreifende Entwicklung aller seiner Erscheinungsformen ebenso sehr aufnehmen wie anregen. Viele musikalische und musikpädagogische Entwicklungen erhielten in dieser Zeit entscheidende Impulse. Heute ist die die Wertschätzung einer musikalischen Pluralität, die sich zwischen Popmusik, Klassik, zeitgenössischer Musik und Volksmusik bewegt, einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Beurteilungskriterien von Musik gewichen. Damit sind aber die Fragen der ästhetischen Qualitäten von Musik im Unterricht eher brisanter geworden.

Die Konferenz, zu der die Universität Mozarteum Salzburg gemeinsam mit der Internationalen Leo Kestenberg Gesellschaft einlädt, will sich den historischen, systematischen und pädagogischen Aspekten dieser Fragestellung zuwenden. Einzelne Themenschwerpunkte werden unter anderem sein: musikpädagogische Konzepte der ästhetischen Erschließung von Musik in der Vergangenheit und Gegenwart, Ästhetik der Popularmusik, Unterrichtsliteratur im Instrumentalunterricht, Neue Musik im Unterricht.

 

Eine Veranstaltung des Department 10 (Musikpädagogik) der Universität Mozarteum Salzburg und der Internationalen Leo-Kestenberg-Gesellschaft

 

 

Abstracts

 

Gute Musik - gut wofür?

Andreas Eschen (Leo-Kestenberg-Gesellschaft, Leo Kestenberg Musikschule Berlin-Tempelhof-Schöneberg)

Wer Musik braucht, gebraucht sie in Verbindung mit Handlungsweisen, sei es das Lesen der Partitur, das regungslose Zuhören, die tänzerische Bewegung usf. Dieser, wertneutral verstandene, Gebrauch von Musik geht mit unterschiedlichen Hörweisen und vor allem verschiedenen Qualitätskriterien einher. Es mag aus verhärteten Debatten herausführen, den Qualitätsbegriff unter diesem Gesichtspunkt zu differenzieren. Hierzu kann die umfassende reformerische Praxis Leo Kestenbergs interessante Anhaltspunkte geben.

 

„Wie (…) eine Musik zu beurtheilen sey“- Überlegungen zu den ästhetischen Qualitäten von Musik im Unterricht auf dem Hintergrund der Geschichtlichkeit von Musik

Andrea Welte (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es ein Zeichen von gutem oder von schlechtem Geschmack ist, wenn stets die neuesten Popsongs Gegenstand des Musik- und Instrumentalunterrichts sind. Doch macht es überhaupt noch Sinn, in Bezug auf Musik und die Auswahl von Musik für den Unterricht von „gutem Geschmack“ zu sprechen, wie es im 18. Jahrhundert üblich war? Wer bestimmt heute, was als qualitätvoll gilt und wäre es im Blick auf Unterricht nicht sinnvoll, anstatt von „guter Musik“ von „gut geeigneter Musik“ zu sprechen? 

Fragen wie diesen gehe ich im Vortrag kritisch nach, indem ich überlege, wie sich die Geschichtlichkeit von Musik zur ästhetischen Qualität von Musik im Unterricht verhält. Nach welchen Kriterien suchen Lehrkräfte Literatur für den Unterricht aus? Welche Rolle spielt die Geschichtlichkeit von Musik bei dieser Auswahl, aber vielmehr noch für die musikalisch-ästhetische Erfahrung im Unterricht? Wie können die ästhetischen Qualitäten von Musik im Unterricht erschlossen werden? – Der Vortrag bietet begriffliche Annäherungen, historische Vergleiche, philosophisch-ästhetische und didaktische Reflexionen.

 

Neue Musik im Instrumentalunterricht. Eine Frage der Verkaufsstrategie oder der Qualität?

Martin Losert (Universität Mozarteum Salzburg)

Schaut man sich die Programme von Musikschulvorspielen an, so spielt zeitgenössische Musik abseits von Wettbewerben und Leistungsabzeichen insgesamt eine eher geringe Rolle. Gründe dafür gibt es viele. Angefangen bei den jeweiligen musikalischen Vorlieben der Instrumentalpädagogen/innen und Schülern/innen, spielt auch die mangelnde Qualität vorhandener Zeitgenössischer Musik für den Unterricht eine nicht unerhebliche Rolle. Abhängig vom jeweiligen Instrument, genügen sich vorhandene Sammlungen und Einzelstücke oftmals in der Anhäufung erweiterter Spieltechniken. Es handelt sich um Exerzitien spezieller Instrumentaltechniken, nicht aber um Beispiele einer zeitgemäßen Musik mit einer entsprechenden Faktur und Ästhetik. Zudem sind viele Etüden und Übungsstücke oft so schwer, dass sie erst von Schülern der Oberstufe an Musikschulen bzw. von Musikstudierenden bewältigt werden können.

Um diese Lücke zu schließen, wurde vor drei Jahren ein Projekt gestartet, in dem Komponisten/innen dazu angeregt wurden, neue Stücke für den Instrumentalunterricht zu schreiben. Das Projekt wird dieses Vortrags vorgestellt, kritisch hinterfragt, Schwierigkeiten, die sich bei der Realisierung ergaben, dargestellt und hinsichtlich der Konzeption eines Nachfolgeprojekts evaluiert.

 

Wann ist Popmusik gut (für Schüler*innen)? Alternative Ästhetiken im Unterricht

Ralf von Appen (Justs-Liebig-Universität Giessen)

Das Dilemma ist seit Jahrzehnten dasselbe: Wenn Lehrende populäre Musik zum Unterrichtsgegenstand machen, geschieht dies oft in einer Weise, die an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler vorbeizielt. Macht, Bildungs- und Erziehungsziele stehen dabei wichtigen Prozessen der Identitätsbildung und der Abgrenzung gegenüber. Anhand aktueller Songbeispiele und Bezügen zu jüngeren philosophischen Diskursen möchte ich zeigen, wie dieser Konflikt für beide Seiten konstruktiv genutzt werden kann, um ästhetische Sensibilität und Dialogfähigkeit auszubilden und soziale Funktionen von Musik besser zu verstehen.

 

Quo vadis Musikpädagogik? oder: Das Paradigma der Orientierung an der Des-Orientierung

Norbert Schläbitz (Universität Münster)

Wenn auch nicht immer so genannt, ist es immer noch oder wieder die Orientierung am Kunstwerk, die für geeignet gehalten wird, prominent im Musikunterricht vertreten zu werden. Verbunden ist damit immer eine Werte- und Qualitätsdiskussion. Es werden orientierungsgebende Funktionen dieser Musik unterstellt, um ihr Einbringen in den Musikunterricht zu begründen. Es ist dies eine Haltung, die trotz aller aktuellen, anders aufgestellten musikdidaktischen Positionen immer wieder aufflackert und sich Gehör zu verschaffen weiß.

Der Vortrag versucht darzulegen, dass die vermeintliche Orientierungsfunktion, ausgemacht im Kunstwerkparadigma, eher die Des-Orientierung zur Folge haben kann und dass Orientierung dort statthaben kann, wo man sich zur musikalischen Vielfalt bekennt und verhält. Das dem Kunstwerkparadigma innewohnende Schema Hochkultur/Tiefkultur (worin im Grunde sich der ganze musikalische Rest abbildet) ist aufzulösen in Musikkultur. Das würde allgemein dem Musikunterricht und selbst dem Kunstwerkparadigma mehr Realitätsfestigkeit verleihen, indem das Romantisieren und Wunschdenken vom charakterbildenden, universellen Werke u.a.m. eine Ende hätte. Der Schüler*in wäre es endlich erlaubt, sich kritisch-reflexiv eine eigene Meinung zu bilden zur Vielfalt der Musik und daraus Schlüsse sowie Orientierung zu ziehen.

 

 

„Weder subjektiv noch objektiv ‚gut’. Überlegungen zu einer Theorie der musikalischen Situation nach Günther Anders

Christoph Khittl (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)

Ästhetische Urteile in pädagogischen Kontexten sind immer zugleich problematisch wie unverzichtbar. Wer allerdings „etwas für schön ausgibt, ... urteilt nicht bloß für sich, sondern für jedermann“ heißt es in der Kritik der Urteilskraft. Gegenüber der Beurteilung ‚schön’, hat es das Urteil ‚gut’ insofern leichter, als es sich an bestimmten poietischen Kriterien festmachen lässt, die auch dann zutreffen, wenn man etwas nicht als schön empfindet. Um die Subjekt-Objekt-Polarität zu umgehen, die jedem ästhetischen Urteil innewohnt, wird hier in phänomenologisch anthropologischer Annäherung versucht, die musikalische Situation selbst in das Zentrum der Überlegungen zu stellen: sie ist weder rein subjektiv noch objektiv, sondern  als ‚gut’ anzusehen jenseits von Urteilsstrukturen, indem sie eine Mit- und Nachvollzugssituation aufschließt. Grundlage dieser Überlegungen bildet die wieder entdeckte Arbeit von Günther Anders „Philosophische Untersuchungen über musikalische Situationen“ (1930/31), die mit Gewinn in den aktuellen musikästhetischen und musikpädagogischen Diskurs eingespeist werden kann.

 

„Kunstwerke sind Übungen der Seele und des Gemüts“ – zwischen Idealismus, Pragmatismus und Skeptizismus

Michaela Schwarzbauer (Universität Mozarteum Salzburg)

„Am menschlichen Übungswert in manueller, geistiger und geschmacklicher Hinsicht erkennt man das Meisterstück“ – so Eberhard Preußner in einer im Jahr 1955 gehaltenen Rede, die sich mit der Sendung der Künste im Leben der Gegenwart beschäftigt. In vielen seiner Schriften lässt sich ein eigentümliches Changieren zwischen durchaus pragmatisch anmutenden, elementaren Ansprüchen an die Aufgabe eines ‚Musik-Lernens‘ sowie idealistischen Erwartungen an eine Erziehung zur Menschlichkeit mit und durch Musik verorten. Im Glauben an die humanisierende Wirkung von Musik erweisen sich Preußner, 1959 zum Präsidenten der Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ ernannt, wie auch sein Lehrmeister aus Berliner Tagen Leo Kestenberg als ‚Kinder ihrer Zeit‘. In mannigfachen Schattierungen prägt die Hoffnung auf eine Harmonisierung der Menschen die Schriften von Musikerzieherinnen und Musikerziehern nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs.

Ausgehend von Preußners Verständnis von ‚Übungen‘, die den Menschen in motorischer, geistiger, aber auch religiöser Hinsicht herausfordern, soll der Frage nachgegangen werden, ob Ansprüche an eine ‚menschenbildende‘ Musik sich heute als obsolet erweisen müssen.

 

Solfège. Ein musikpädagogischer Ansatz zwischen Ästhetik und Selbstzweck

Damien Sagrillo (Université du Luxembourg)

Als Guido von Arezzo vor einem knappen Jahrtausend mit der Erfindung des Liniensystems aufwartete und Tonsilben aus den Angangsbuchstaben des Johannes-Hymnus ableitete, revolutionierte er damit die musikalische Bildung: Er ersetzte absurdes Auswendiglernen von (Kirchen-)Gesängen durch eine erlernbare, mechanische Lesetechnik. Er konnte wohl nicht ahnen, dass nach fast tausend Jahren „seine“ Methode immer noch Anwendung findet. In meinem Vortrag werde ich aufzeigen, wie Solfège, zum einen, durchaus musikästhetisch verortet ist, während, auf der anderen Seite, eben diese Methode der mechanischen Lesbarkeit, bar jedes musikästhetischen Anspruchs, den Musikpädagogen Kopfzerbrechen bereitet.

 

Zwischen Liedertafelei und Virtuosentum: Zum Neuanfang im Chorgesang in den 1920er Jahren

Friedhelm Brusniak (Universität Würzburg)

Wie andere namhafte Protagonisten der Laienchorbewegung vor ihm hatte auch schon Otto Elben in seinem Standardwerk "Der volksthümliche deutsche Männergesang" 1855 auf Fehlentwicklungen in der "musikalischen Produktion für den Männergesang" hingewiesen und "unnatürlich gesuchte Verkünstelung", "Haschen nach Effekten", "Verflachung zu einer saft- und kraftlosen Weichlichkeit und Sentimentalität" angeprangert. In die anhaltende Diskussion über Chorwerke, die entweder in der Manier sogenannter "Liedertafelei" oder die in einem auf Virtuosität angelegten Chorgesangsstil komponierte wurden, schaltete sich 1926 selbst Leo Kestenberg ein und zeigte am Beispiel der vier "Kaiserpreissingen" ab 1899 auf, "wie die Vereine mit künstlichem Nachdruck in die verkehrte Richtung hineingedrängt wurden." Auch Kompositionswettbewerbe wie die seit 1927 vom Deutschen Sängerbund eingerichteten "Nürnberger Sängerwochen", die als "Messen zeitgenössischer Chorliteratur" verstanden wurden, oder Muster-Chorliedersammlungen wie das mehrbändige "Volksliederbuch für die Jugend" von 1930 machen deutlich, dass es sich um eine der größten Krisen in der Entwicklung des Chorgesangwesens handelte, deren Auswirkungen noch weit in das 20. Jahrhundert hinein nachweisbar sind.

 

“Der größte Erziehungswert des Instrumentalunterrichts liegt in der Vertiefung des individuellen Empfindens“ (Maria Leo, 1905) - Wer hatte schon früh die Persönlichkeit des Schülers im Blick?

Christine Rhode-Jüchtern (Universität Oldenburg)

Dieser historische Beitrag zum Thema des Kongresses geht in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts zurück, als sich eine Frau, Maria Leo (1873-1942), entgegen dem Zeitgeist der herrschenden Drillmanier im Gesangunterricht an Schulen, und unterstützt von der bürgerlichen Frauenbewegung, anschickte, reformpädagogische Maximen auf den Musikunterricht in Schule und Haus zu übertragen. Nunmehr die Individualität des Schülers in den Mittelpunkt des UnterrIchts stellend forderte sie, zwanzig Jahre vor Leo Kestenberg, pädagogische, psychologische, musiktheoretische Kompetenzen für den jeweiligen Lehrenden; verbunden damit dessen professionelle wissenschaftliche Ausbildung. Der junge

Hans Mersmann sollte dieses Ausbildungsmodell in der Weimarer Republik so formulieren, dass es zum Vorbild für sämtliche Ausbildungsseminare im Deutschen Reich aufsteigen sollte. Dieses Modell der Instrumentallehrerbildung wurde nach 1933 sofort verboten und nach 1945 nicht wieder aufgegriffen. Mehr als einhundert. Jahre nach der Umsetzung dieser Konzeption von Musikunterricht stellt sich damit die Frage, ob wir heute substanziell in der Musikpädagogik nicht da wieder angelangt sind, wo Protagonisten wie Maria Leo und Hans Mersmann um 1900ff schon waren.

 

Herausforderung Tonaufnahme. Von einem ungeliebten Wandel der Klanglandschaft

Thomas Hochradner (Universität Mozarteum Salzburg)

Viele Jahrzehnte der Tonträgergeschichte waren vergangen, als sich Musikwissenschaft und Musikerziehung nach wie vor weitgehend sträubten, Schallquellen als Forschungsgegenstand bzw. Lehrmittel anzuerkennen. Nur ethnomusikologische, vereinzelt auch soziologische Studien fußten darauf. Musikpädagogik öffnete sich dem reproduzierbaren Klanggeschehen in den 1970er/80er Jahren, Historische Musikwissenschaft durch Interpretationsforschung gar erst knapp vor der Jahrtausendwende. Zuvor wurde hier die Diskussion schmal und in Sonderheit über den ästhetischen Diskurs geführt, fußend auf Schriften von Stefan Zweig, Walter Benjamin und Theodor Wiesengrund Adorno. Wo immer eine an Fakten orientierte Darstellung gewählt wurde, blieb eine Berücksichtigung des ‚technischen‘ Aspektes dagegen aus. Vor diesem Hintergrund wird gezeigt, wie sich zwei Autoren, Eberhard Preußner und Walter Wiora, der ‚Herausforderung Tonaufnahme‘ stellten, mit teils überraschend innovativen, teils aber auch von den Zeitläuften widersprochenen Prognosen.

 

Ästhetische Qualitäten musikalisch-kreativer Arbeiten. Reflexionen aus dem Blickwinkel der EMTP und anderer Ansätze

Anna Maria Kalcher (Universität Mozarteum Salzburg)

Ein wesentliches Ziel der Elementaren Musik- und Tanzpädagogik ist die Aktivierung kreativer Prozesse und das schöpferische Operieren mit ästhetischem Material. Fragen nach der ästhetischen Qualität betreffen in diesem Kontext zunächst klangbasierte und andere Materialien, die als Anregung für eigenständige Gestaltungen und Erfindungen bereitgestellt werden, bzw. jene Musik, die vermittelt wird, um sie weiterzuführen und ästhetisch zu transformieren. Des Weiteren gilt es die erarbeiteten Ergebnisse zu evaluieren, wobei zu überlegen ist, anhand welcher Aspekte hier ein ästhetisches Urteilen erfolgen kann. 
Diese und daran anschließende Themen werden aus der Perspektive der Elementaren Musik- und Tanzpädagogik sowie anhand ausgewählter improvisations- und kompositionspädagogischer Ansätze reflektiert. Darüber hinaus werden konkrete Ideen zur Evaluation und Modulation musikbezogener Kreationen der Lernenden vorgestellt. Diese bieten zugleich Impulse für das Differenzieren der ästhetischen Qualität selbst generierter Musik.

 

"Dieses Stück möchte ich auch spielen ..."

Linde Grossmann (Universität der Künste Berlin)

Worin äußert sich die Qualität von "guten" Stücken im Unterricht, die ja sowohl den Schüler, als auch auch den Lehrer über längere Zeit fesseln müssen? Anhand von einigen Beispielen aus dem Repertoire für den Klavierunterricht werden dafür  verschiedene Kriterien entwickelt. Den Ausgangspunkt bildet ein Vergleich zweier Versionen des Kinderstückes in Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, durch den die Entwicklung einer eher konventionellen Komposition zu einem unverwechselbaren Charakterstück mit hoher ästhetischer Qualität gezeigt wird.

 

Musikauswahl im Schülerkonzert – ‚Die Qual der Wahl‘ multiperspektivisch betrachtet

Andreas Bernhofer (Universität Mozarteum Salzburg)

Kinder und Jugendliche sind mittlerweile schon seit Jahren anvisiertes Zielpublikum für Konzertveranstaltungen aller Art. Kaum ein Orchester oder Konzertveranstalter kommt ohne spezielles Kinder- und Jugendprogramm aus. Die Bandbreite reicht von Säuglingskonzerten bis hin zu Schülerkonzerten und Veranstaltungen für junge Erwachsene. Bei der Konzeption solcher Konzerte stehen die Verantwortlichen vor der herausfordernden Aufgabe der Musikauswahl und Programmgestaltung, wobei die Ansprüche und Bedürfnisse der Beteiligten (Konzertveranstalter, Orchester, Dirigent/in, junges Publikum, …) möglicherweise auseinanderdriften. Die Diskrepanz zwischen traditioneller, ritualdurchdrungener Konzertveranstaltung und den Erwartungen von Jugendlichen wird greifbar. Verschiedenste Entscheidungen über Stückauswahl, rezeptive bzw. aktive Beteiligung des Publikums, Integration von anderen künstlerischen Elementen (z. B. Bewegung und Tanz) usw. müssen getroffen werden. Im Vortrag soll diese ‚Qual der Wahl‘ anhand des konkreten Fallbeispiels Schüler- und Lehrlingskonzerte der Salzburger Kulturvereinigung genauer beleuchtet werden. Die verschiedenen Überlegungen, Eindrücke und Erwartungen der Beteiligten wurden anhand von Interviews und Beobachtungen gesammelt und werden einander gegenübergestellt, um dieses Spannungsfeld im Detail beschreiben zu können.

 

Hingabe – Erkennen – Begeisterung. Vermittlungsstrategien der ästhetischen Erfahrung und Erschließung von Musik im Unterricht

Theda Weber-Lucks (Leo Kestenberg Musikschule Berlin-Tempelhof-Schöneberg)

In meinem Vortrag gehe ich von drei zentralen Modi der ästhetischen Erfahrung aus, die ich mit Hingabe, Erkennen und Begeisterung bezeichne. Durch ihre Kontextualisierung im Rekurs auf zentrale Begriffe und Positionen der aktuellen Mimesis-Forschung in Musikwissenschaften, Musikpsychologie und Semiotik möchte ich ein "Denkmodell" entwerfen, das den Musikunterricht als eine vieldimensionale Plattform zur Anregung und Entwicklung eines eigenständigen musikalisch-ästhetischen Urteilsvermögens begreift. Von hier aus können die zentralen Aufgaben des Musikunterrichts, z.B. auch im Rückblick auf reformpädagogische Ansätze, neu erschlossen werden.

Mein Vortrag gliedert sich dementsprechend in einen theoretischen, einen kontextualisierenden historischen und einen praxisorientierten Abschnitt. Anhand konkreter Beispiele aus der Arbeit mit meinen Schülern, gehe ich auf Projekte, Erfahrungen und Lernprozesse ein, die ich seit 2014 in meiner Funktion als Leiterin der Fachgruppe „Neue Musik, Neue Ton- und Klangkunst“ initiiert und begleitet habe.